Geschichte und Informationen

Wasser war und ist die Basis allen Lebens. Weltweit wurden anfangs nur Flächen mit ausreichend hohem Grundwasserstand oder genügend Regen landwirtschaftlich genutzt. Als die Bevölkerung immer mehr wuchs, mussten auch Flächen bewirtschaftet werden, die künstliche Bewässerung erforderten.

Erste Hochkulturen, die von Bewässerungsanlagen abhängig waren, entstanden im Zweistromland an Euphrat und Tigris und in Nordafrika am Nil. In Mesopotamien gab es seit ca. 250 v. Chr. Bewässerungsanlagen.

Auch im Rednitz-Regnitz-Becken herrscht ein mildes, kontinental geprägtes Beckenklima. Bedingt durch die Lage im Regenschatten des Steigerwalds fallen im Rednitz-Regnitz-Becken jährlich nur 600 bis 650 Liter Regen pro Quadratmeter. Im trockenen und regenarmen Rednitz-Regnitz-Becken musste bereits im 12. Jahrhundert künstlich bewässert werden, um die Bevölkerung ausreichend mit Nahrung zu versorgen. Am Oberlauf der Rednitz-Regnitz und den Zuflüssen genügte anfangs eine einfache Staubewässerung.

Anders am Mittellauf der Rednitz-Regnitz, hier ist eine Staubewässerung nicht mehr möglich. Der Fluss ist bereits zu breit und vor allem zu tief in den Talgrund eingeschnitten. Wasserschöpfräder waren der Ausweg.

Wer die geniale Idee der Wasserschöpfräder nach Franken brachte, ist nicht eindeutig geklärt. Waren es fränkische Kreuzritter oder Nürnberger Kaufleute, die die Wasserschöpfräder in Kleinasien gesehen hatten.

1413 wurde im regenarmen Rednitz- und Regnitztal erstmals die Bewässerung mit hölzernen Wasserschöpfrädern eingeführt. Die Technik verbreitete sich innerhalb weniger Jahrzehnte im gesamten Rednitz-Regnitz-Becken. Im 18./19. Jh. Drehten sich jeden Sommer ca. 250 Wasserschöpfräder zwischen Schwabach und Forchheim. Die Wässerwiesen mit ihren bis zu vier Heuernten brachten den Landwirten bescheidenen Wohlstand.

Durch die  Mehrfach-Nutzung der Flüsse für Landwirtschaft, Fischerei und als Antriebskraft für Mühlen und Gewerbe, kam es immer wieder zu Interessenkonflikten. Mit der Bayersdorfer Wasser Gerichtsordnung von 1693 erließen die Landesherren Rechtsvorschriften und richteten Wassergerichte ein. U.a. wurden die Einbauzeiten geregelt. Der Einbau durfte nicht vor Walpurgis (30. April) und der Ausbau muss bis spätestens Michaelis (29. September) erfolgen. An diese Ein- und Ausbautermine wird sich nach heute gehalten.

Im 20. Jh. beginnt der Niedergang der Bewässerung mit Schöpfrädern durch den Bau von Flusskraftwerken. Den Todesstoß erhalten die Wasserschöpfräder durch die Umstrukturierung der Landwirtschaft in der Europäischen Union vom bäuerlichen Kleinbetrieb zum maschinenintensiven Großbetrieb. Das Rinnen- und Grabensystem der Wasserschöpfräder behindert den Maschineneinsatz. Auch heute muss im Rednitz-Regnitz-Becken künstlich bewässert werden. Mit Pumpen wird das Wasser gefördert und mit Beregnungsanlagen verteilt.

Heute drehen sich außer in Möhrendorf nur noch einzelne Exemplare in Nürnberg, Fürth/Stadeln, Erlangen/Bruck und Hausen.

Seit 1486 drehen sich die Wasserschöpfräder in Möhrendorf. Zur Zeit drehen sich jedes Jahr von Mai bis September an der Regnitz in Möhrendorf zehn hölzerne historische Wasserschöpfräder als Technik- und Kulturdenkmale.

Dies ist nur noch durch Patenschaften und vielen tausend ehrenamtlichen Arbeitsstunden möglich.  Die Helfer sind in der Wasserradgemeinschaft Möhrendorf organisiert. Die Ehrenamtlichen der Wasserradgemeinschaft, tatkräftige unterstützt durch das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg, wollen durch ihren Einsatz das Fachwissen um die Wasserschöpfräder Schöpfradtechnik erhalten.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Wasserradgemeinschaft Möhrendorf und viele Landwirte hoffen auf eine Renaissance der Wasserschöpfräder. Durch die zunehmende Klimaerwärmung sinkt der Grundwasserspiegel deutlich ab. Die Landwirte sehen die Situation mit Sorge. Dabei kann ein Wasserschöpfrad ohne Einsatz von Fremdenergie wie Strom und Diesel pro Tag ungefähr 1,4 Millionen Liter Wasser liefern.