Technik und Konstruktion der Wasserschöpfräder

Die fränkischen Wasserschöpfräder sind ein Nachbau ihrer antiken Vorbilder aus Mesopotamien, angepasst an die klimatischen Verhältnisse und an die der Landwirtschaft zur Verfügung stehenden Materialien und Werkzeuge. Noch heute bestehen die fränkischen Wasserschöpfräder fast komplett aus Holz.

Weltweit bestehen alle Wasserschöpfräder, wie ihre historischen Vorbilder aus Mesopotamien, aus vier Grundbaugruppen:

  • Aus einer Wehranlage: Mit ihr  kann das Flusswasser bei Bedarf ca. 10 cm aufgestaut und zum Schöpfrad geleitet werden. In Franken ist das ein im Flussbett verankerter Grundbaum (Kiefernbaum ca. 60 cm Durchmesser), beidseitig auf ca. 30 cm abgeflacht und mit Holznägeln und Hinterschlägen am Flussgrund befestigt. Der immer unter Wasser liegende Grundbaum hält somit 100 Jahre und länger.
  • Technik 1Aus einer Radstatt: Sie ist fest im Fluss verankert, aus Kiefern- und Eichenholz, und trägt das Wasserschöpfrad. Die Radstatt bleibt auch im Winter eingebaut und hat deshalb nur eine Lebensdauer von 10 – 15 Jahren.
  • Aus einem Wasserrad: An dem zerlegbaren und unterschlächtigen Rad  werden die Schöpfgefäße (Kümpfe) und Schaufelbretter befestigt. Der Raddurchmesser ist von der Flusstiefe abhängig. In Möhrendorf genügt ein Raddurchmesser von ca. vier Metern. Hochbeanspruchte Teile sind aus Eichenholz, die anderen aus Kiefernholz. Zusammengehalten werden die Wasserschöpfräder durch mehrere hundert hölzerne Keile und Nägel.

 Ein Wasserschöpfrad besteht:

  • Aus einem Wellenbaum mit stählernen Lagerzapfen und zwei Anwellen (Lagerböcken) aus Eiche.
  • Aus sechs Armen; sie bilden die „Speichen“ der zwei Radkränze, die mit Brettles-, Schluss- und Wellenkeilen mit der Welle verbunden werden.
  • Aus zwölf Krümmlingen; sie werden mit Schetter-brettern, Schetternägel und Zwickerkeilen zu den zwei Radkränzen zusammengefügt. Nasenzwicker und Armkeile verbinden die Arme und Krümmlinge miteinander.
  • Aus 24 Kümpfen: Sie werden mit Kumpfnägeln und Zwickerkeilen am Radkranz befestigt.
  • Aus 24 Schaufelbrettern: Sie werden mit Schaufelbändern und Froschkeilen ebenfalls am Radkranz befestigt.
  • Insgesamt besteht ein Möhrendorfer Wasserschöpfrad aus ca. 600 Einzelteilen.

 Technik 2 (Foto: Rolf Dürschner)

 Foto: Rolf Dürschner

  • Aus einem Bewässerungssystem: Es  besteht aus Holzrinnen, schmalen Betonkanälen mit Überläufen und Schützen zum Verteilen des geschöpften Wassers. Nach einem festen Zeitplan werden die Wiesen überflutet.

Das notwendige Fachwissen zum Bau der Wasserschöpfräder mit Bewässerungsanlagen wird seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergegeben. Heute kümmern sich zwei Zimmerleute nebenberuflich und viele ehrenamtliche Helfer der Wasserradgemeinschaft Möhrendorf in ihrer Freizeit um die Erhaltung der historischen Wasserschöpfräder Möhrendorfs.